zur Veröffentlichung von
Filona am Ende der Zeit
F: Worum geht es im neuen Buch?
A: Der Titel sagt schon eine Menge. Ich denke, man darf das zunächst recht wörtlich nehmen. Filona ist eine junge Frau, die sich eigentlich um nichts sorgen muss. Da kommt gleich der Eindruck vom Goldenen Käfig auf. Aber sie ist auch der letzte Mensch auf Erden und das Ereignis, welches alles umkrempelt, steht direkt bevor. Wenn man darüber nachdenkt, klingt es vielleicht etwas abstrakt, aber für mich war die Schilderung einer solchen Situation vor allem eine Herausforderung in zweifacher Hinsicht.
F: Zweifach?
A: Zum einen war es für mich schon immer interessant, über ein Ende nachzudenken, genauso wie über den Anfang. Egal, ob das nun eine einzelne Geschichte betrifft oder einen Film oder sonst ein Ereignis. Wenn ich den Anfang und einen Einstieg habe, will ich mir vorstellen, wie könnte das Ende aussehen. Insbesondere von Etwas, von dem wir noch nicht genau wissen, wie es eigentlich ablaufen wird. Also bei einer Geschichte in Buchform oder einem Film ist meistens alles gesetzt, selbst ein offenes Ende ist letztlich auch ein Ende. Aber unsere Geschichte, ich meine, die der Menschen auf diesem Planeten, wird voraussichtlich noch eine ganze Weile weiter gehen, in welcher Form auch immer. Immer wieder liefen meine Gedanken dorthin, wo möglicherweise alles endet.
Andererseits geht es im Roman auch um unsere aktuelle Situation. Klima, Natur und Grenzen des Wachstums, damit hat der Roman eine Menge zu tun. Für Belletristik charakteristisch kommt es hier zwar in einer indirekten Form daher, aber darin liegt ja gerade der Reiz. Vieles regt zum Nachdenken an und das ist es, was mich neben einer vordergründig fesselnden Handlung beim Lesen und Schreiben immer interessiert. Da ist zum einen die spannende Handlung, die jeden mitreißen kann und trotzdem stecken im Hintergrund Themen wie das Gilgamesch Epos, Dantes Göttliche Komödie und eben auch Woodstock und seine Folgen. Klingt jetzt erst mal ziemlich literarisch, ist es auch [schmunzelt]. Aber spätestens wenn Jimi Hendrix auftaucht, wird es, so hoffe ich, jedem klar werden, dass es vor allem um visionäre Ideen und rebellische Handlungen geht. Das passt ganz gut zu dem, was die Generation um Greta Thunberg momentan auf die Straßen trägt. Für fridays for future bin ich vielleicht schon ein bisschen zu alt, deswegen unterstütze ich eher parents4future, aber ich muss auch sagen, die Idee zum Roman und auch der Großteil vom Schreibprozess stammen aus einer Zeit noch weit vor unseren aktuellen Krisen. Ein Buch hat ja doch immer einen recht langen Vorlauf, deswegen erstaunt es mich, wie gut die Geschichte inzwischen in unsere Zeit passt.
F: Beim Ende der Zeit denkt man gleich an Space Opera oder zumindest an eine Geschichte in einem SF-Szenario?
A: Nicht in letzter Konsequenz. Obwohl eine Geschichte, die solche Überlegungen verarbeitet, natürlich das Gewand der SF trägt. Allerdings ist das in meinem Buch keine Schablone wie etwa von Western-SF, man denke an Star Wars oder Crime Noir wie in Blade Runner. Es geht hier auch nicht um die Post-Apokalypse wie etwa in Mad Max. Jetzt bliebe nur die Hard-SF übrig, aber da bei mir ziemlich frei extrapoliert wird und ich in Bereiche vorstoße, die selbst der Stand der heutigen Physik nicht erklären kann, würde ich sagen, auch das wäre keine adäquate Beschreibung für den Charakter meines neuen Romans.
F: Sondern?
A: Da komme ich zum zweiten Punkt, warum es für mich eine Herausforderung war. Ich möchte in meinen Geschichten etwas erlebbar machen. Auch wenn es um etwas so Fernes und zunächst Unbeschreibbares wie das Ende aller Zeiten geht. Das war ja gerade die größte Herausforderung. Nämlich, in diesem Fall auf dem Teppich zu bleiben. In meinem neuen Buch geht es offensichtlich um eine abenteuerliche Geschichte eines Mädchens, die unter besonderen Umständen auf der Erde lebt. Dazu habe ich einen Plot entwickelt, der Spannung erzeugt, da alles unter Zeitdruck abläuft. Aber das ist, wie gesagt, nur das Offensichtliche an der Geschichte. Nebenbei geht es in meinem Buch nicht nur um das Ende unserer Zivilisation oder des Lebens auf diesem Planeten, sondern tatsächlich um das Ende des Universums.
F: Kein Witz? Klingt fast wie bei Douglas Adams.
A: Könnte man meinen. Schließlich darf jeder dazu seine eigenen Überlegungen anstellen. Was wir definitiv wissen, ist, dass alles um uns herum tatsächlich einmal zu Ende sein wird. Viele Autoren haben schon solche Szenarios bearbeitet, da geht es um Endzeit, also Ende der Ressourcen oder vielleicht eher Apokalyptisches wie Krieg oder Post-War-Szenarios. Darum geht es bei mir nicht. Es gibt keine Horror-Szenarien oder ähnliches. Ich habe mir überlegt, wie jemand – also eine Person - tatsächlich das Ende des Universums erleben könnte. Wer auch immer das sein wird und wenn es nur ein Einzelner ist. Was für Voraussetzungen müssten vorhanden sein, damit jemand überhaupt bis zu diesem Ende kommt, denn wir sprechen hier über etliche Milliarden Jahre.
F: Eigentlich kaum vorstellbar.
A: Genau das war die Herausforderung. Deswegen war es so interessant, sich bei diesem Thema mit sinnvollen Alternativen zu befassen. Absolut unvorstellbar ist letztlich gar nichts. Technologisch wären ein paar Hürden zu meistern und ich spreche jetzt überhaupt nicht von Zeitreise und auch nicht von Geschwindigkeiten höher als die Lichtgeschwindigkeit, denn die gibt es tatsächlich nicht. Demnach gehören solche Konstrukte wie Wurmlöcher oder Beamen bei mir in das Reich der nett gemeinten, aber letztlich eher abenteuerlichen SF-Phantasien à la Star Trek oder Star Wars. Das ist zwar sehr unterhaltsames Weltraumgarn, aber eben auch nicht mehr als das. Wobei ich gestehe, dass ich großer Fan sowohl von Star Trek als auch Star Wars bin. Aber ich finde, in diesen Geschichten geht es nicht um etwas Glaubhaftes oder Technologien, die irgendwann einmal kommen werden, denn das werden sie in der dort dargestellten Form ganz sicher nicht. Es geht eher um Personen, Einzelschicksale und Gefühle, egal welches Szenario letztlich dafür genutzt wird. Man nehme zum Beispiel Filme wie Blade Runner oder Interstellar, in denen die Technologie oder der Weltraum nur die Bühne darstellt, um etwas zu verdeutlichen, was uns heute betrifft. Es gilt auf diese Weise für jeden von uns, etwas Universelles aufzuzeigen.
F: Und was wäre das im Fall von Filona am Ende der Zeit?
A: Ich hoffe, mein Roman kann dem Leser etwas Wichtiges und zugleich Unerklärliches näher bringen. Das muss keinesfalls ein Widerspruch sein. Es geht um das Gefühl und die Erkenntnis darüber, dass wir alle in einem sehr kostbaren Boot sitzen. Und jeder hat nur eine äußerst begrenzte und wertvolle Zeit bekommen, die Natur auf diesem Planeten zu erleben und mit anderen zu teilen. Wenn dann noch das Bewusstsein und die Verantwortung hinzukommt, was den Umgang mit endlichen Ressourcen betrifft, kann man nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen helfen. Die Zeit, die zur Verfügung steht, ist ja nicht nur für jeden Einzelnen begrenzt, das gilt auch für uns als Menschheit, ja sogar unseren Planeten. Wie Filona in meiner Geschichte erfahren muss, bringt es wenig, sich auf die Vergangenheit und das Gemachte oder Vorgegebenes zu verlassen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, alles anders zu machen, mit den Konventionen zu brechen. Wenn der Leser das von meiner Geschichte mitnimmt, würde mir das gefallen.